Moderne und Tradition- Erziehung im Wandel

Im chinesischen Kulturraum wird der innige Wunsch der Eltern, dass ihr Kind alle anderen Altersgenossen überflügeln möge, durch das Sprichwort wang zi cheng long „der Sohn wird ein Drache“, bzw. wang nü cheng feng „die Tochter wird ein Phoenix“ ausgedrückt. 


Die Eltern in China sehen das Leben der Kinder als Fortsetzung ihrer eigenen Wünsche und Geschichte, und so streben sie danach, es ihren Kindern von Anfang an bequem zu machen, damit diese sich auf das Lernen in der Schule konzentrieren können. Die Generation der Einzelkinder wird deshalb als „kleine Kaiser“ bezeichnet. Einzelkinder gibt es überall auf der Welt. In China gibt es jedoch eine Besonderheit: Aus dem traditionellen Rollengedanken versuchen chinesische Eltern, ihren Nachwuchs zu schützen und das Leben „leicht“ zu machen. Viele reiche Eltern denken, sie tun ihren Kindern einen Gefallen, wenn sie ihnen bis ins Erwachsenenalter ständig den Weg ebnen. Über all dem schwebt immer wieder die erdrückende Erwartungshaltung der Familie, der Eltern und Großeltern – sei es bei der Wahl des Studienfaches oder des Lebenspartners. Kinder sollten sich dafür gehorsam und respektvoll gegenüber ihren Eltern verhalten, ihre eigenen Wünsche treten demgegenüber in den Hintergrund. In der westlichen Welt werden Kinder dagegen als Individuum betrachtet und gefördert.


Chinesen lassen sich auch von westlichen pädagogischen Ideen inspirieren und sind auf der Suche nach neuen Formen der Erziehung. Die bisherige Lehrerzentrierung, der starke Wettbewerb, und die Fokussierung auf Pauken von Lernstoff rücken langsam zugunsten einer stärkeren Förderung von Selbstständigkeit und individuellen Begabungen in den Hintergrund. Hier spielen Einstellungen, Werthaltungen, kulturelle Prägungen eine große Rolle. Die Umsetzung in der Praxis wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen, aber der Weg lohnt sich und ist mit Ende der Ein-Kind-Politik sogar notwendig.


Autor: Yuan He

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