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Es gibt den Forschungsbereich der „interkulturellen Kommunikationsforschung“ in China bereits seit über 20 Jahren; insbesondere in den letzten 10 Jahren hat diese Forschung weiter Verbreitung gefunden.


In China ist Geert Hofstede längst nicht so bekannt wie sein internationaler Ruf. Es gibt nur eine kleine Anzahl von chinesischen Wissenschaftlern, die sich mit seiner Theorie beschäftigen. Die chinesische Forschung in diesem Bereich konzentriert sich überwiegend auf Erklären, Verstehen und kritische Auseinandersetzung seiner festgelegten Kulturdimensionen.


Hofstede kategorisiert Gesellschaften u.a. in der Dimension „Individualismus von Kollektivismus“, und die chinesische Kultur ist für ihn kollektivistisch. Das stößt bei chinesischen Wissenschaftler auf starke Kritik. Die chinesische Kultur sieht Individualismus und Kollektivismus eher relativ. Nach der sozialen Struktur Chinas ist die Familie die grundlegendste Einheit der Gesellschaft, und nach chinesischen Verständnis entspringt ihr die Individualität. Der Individualismus, der durch den Lebensstil in der Familien geformt wird, und der Kollektivismus, der durch die landwirtschaftliche Kultur seit tausenden von Jahren zustanden gekommen ist, existiert lange Zeit in China zusammen. Laut Harry C. Triandis sind Individualismus und Kollektivismus eine Synthese in der Kultur und sie sind nicht zwei-polarisierte Dimensionen. Diese Ansicht ist mehr im Einklang mit den Merkmalen der chinesischen Kultur. Mit anderen Worten, ob das Verhalten eines Chinesen zu individualistischer oder kollektivistischer Richtung neigt, ist die Entscheidung des Handelnden, nachdem er sich zwischen Kosten und Konsequenzen überlegt hat. In einer starren individualistischen oder kollektivistischen Einstellung zu verharren existiert bei den Chinesen nicht. Diese bewusste Wahl der Entscheidung hängt stark von der flexiblen Mentalität der Chinesen ab.  


Abgesehen von den obengenannten Forschungsbereichen beschränkt sich die bisherige interkulturelle Forschung in China überwiegend auf den Bereich des Fremdsprachenlehr. Es gibt folgende Gründe dafür: Interkulturelle Kommunikation ist keine eigenständige Disziplin an den chinesischen Universitäten. Sie ist oft Unterrichtsfach oder Forschungsrichtung, welche hauptsächlich in Fremdsprachlichen Studiengängen in den Fächern z.B. Angewandte Linguistik, Englisch Sprache und Literatur usw. untergliedert ist. Deshalb haben die meisten Forscher der interkulturellen Forschung Hintergrund als Fremdsprachenforscher. Zweitens steht die momentane Forschungssituation in China in direktem Zusammenhang mit dem chinesischen akademischen Bewertungssystem. Um Karriere in der Wissenschaft zu machen, müssen chinesische Wissenschaftler eine bestimmte Anzahl von Artikeln publizieren. Nach der Vorschrift zählen nur die in fremdsprachlichen Fachzeitschriften veröffentlichten Artikel zu „akademische Veröffentlichung“. Die Vorschrift hat chinesischen Wissenschaftlern einen sehr hohen Standard gesetzt. Forscher, die fremdsprachlichen Hintergrund haben, haben wesentlich Vorteile vor denen, die diesen Hintergrund nicht haben.


Dieser Zustand erschwert die Entwicklung der interkulturellen Forschung von einer einzelnen Disziplin zur interdisziplinären Forschungsrichtung. Ein internationales Merkmal der interkulturellen Forschung ist die interdisziplinäre Forschung. Viele chinesische interkulturelle Kommunikationsstudien sind lediglich paralleler Vergleich von chinesischen und fremden Kulturen oder kommunikativen Verhaltensweisen. Streng genommen sollte aktuelle interkulturelle Kommunikationsforschung auf eine multikulturelle Umgebung beziehen: zum Beispiel ist die Kommunikation von multinationalen Mitarbeiter in einem internationalen Konzern ein typisches interkulturelle Kommunikationsverhalten. Empirische Forschungen in diesem Bereich, insbesondere qualitative Forschungen mit Bezug auf China-Kontext, sind die Seltenheit.


Autor: Wenting Sheng

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